Leitfaden & Ergebnis der Experteninterviews - oliverbra/Projekt1_HCI_TeamCMTO GitHub Wiki

Das Experteninterview haben wir mit Michael Gerhard, Mitglied des Vorstand NABU Oberberg, geführt. Im Folgenden findet ihr den Leitfaden und die Auswertung.

Vorbereitung

Leitfaden für das NABU-Interview

Mitschriften

Ergebnis

Wir haben ein Interview mit Michael Gerhard vom NABU geführt. Seiner Meinung nach ist das Hauptproblem die intensive Landwirtschaft. Sowohl Acker- als auch Grünlandflächen werden ständig gemäht und gedüngt. Dadurch haben diese Flächen auch keine große Pflanzenvielfalt, was auch die Insektenvielfalt vermindert, da sie auf bestimmte Pflanzenarten zur Ernährung und Bestäubung angewiesen sind. Insekten brauchen Wildklee zum Überleben und die anderen Pflanzen sind nicht nutzbar. Kühe leben auf Wiesen, auf denen es nur 5 oder 6 Gras- und Kleearten gibt. Diese Flächen werden 5 mal im Jahr gemäht, und werden gepresst dann mit einer Plastikfolie abgedeckt, damit die Milchsäurebakterien arbeiten können. Daraus wird Futter für die Kühe. Es ist das ganze Jahr über nutzbar, so dass dies einen wirtschaftlichen Vorteil darstellt. Nachdem das Gras geerntet und neue Samen gepflanzt wurden, wird das Feld gedüngt. Dieser bringt Stickstoff und Phosphat mit, die Nährstoffe für die Pflanzen sind. Einen Monat später wird das Feld erneut gemäht und der ganze Prozess wiederholt sich. Im Bergischen Land ist das Verhältnis von Wald und landwirtschaftlichen Flächen 50/50. Fast 80% der landwirtschaftlichen Flächen sind Silageflächen; das ist ¼ der gesamten Region. Derzeit können nur 5 Insektenarten in dieser Situation überleben. Würde die Landwirtschaft auf traditionelle Weise betrieben werden, wären es 500 statt 5.

Früher gab es "Grünflächen" in der Stadt, die aber durch Rasenmäher zerstört wurden, wodurch die Zahl der Insekten zurückging. Auch das Mähen in Ziergärten ist schlecht, weil sich keine Blüten entwickeln können. Totholz und Hecken können eventuell Lebensräume für Insekten in der Stadt bieten. Das Fehlen von einheimischen Arten in den Gärten ist ein weiteres Problem für die Insektenvielfalt. Stein-/Kiesgärten sind ebenfalls schlecht in Bezug auf Insekten. Einheimische Arten in Gärten zu pflanzen und sie maximal 2 Mal im Jahr zu mähen, kann der Insektenpopulation helfen. Die Samen aus dem Baumarkt sind zwar billig, haben aber nur einen kurzfristigen Erfolg. Diese Arten von Samen blühen nur im ersten Jahr, danach sind sie nutzlos, sie haben keine Chance, in den folgenden Jahren zu blühen. Sie können auch von den Kunden falsch gehandhabt werden, wenn sie wenig bis keine Vorkenntnisse haben. Die oberbergischen Kommunen pflanzen zwar, aber sie haben keine weiteren Projekte geplant.

Michael Gerhard betont, dass in der Politik zwar immer sehr viel geredet wird, aber nicht gehandelt. Es ist ein sehr hoher bürokratischer Aufwand, um Fördermittel für ein Projekt zu bekommen. Derzeit wird an einem Insektenschutz Gesetz gearbeitet, aber selbst wenn es eine Aktion gibt, ist sie immer zu schwach, um wirklich etwas zu bewirken. Zum Beispiel ist es in Nümbrecht jetzt verboten, Kiesgärten auf neuen Grundstücken zu haben, aber die älteren Gebäude können diese immer noch haben. Ein Informationsportal, in dem die Leute etwas über die Biotoptypen oder die Strukturen, die für die Insekten wertvoll sind, erfahren können. Zum Beispiel leben viele Insekten in alten Sandhaufen. Solche Strukturen können schlecht aussehen, wenn man sich nicht darum kümmert, aber für Insekten können sie großartig sein. Brennnesseln, Unkraut, die Insekten brauchen diese Pflanzen, aber für den Menschen sind sie nicht erwünscht. Die Menschen müssen in der Lage sein zu erkennen, ob eine ästhetisch unschöne Sache einen ökologischen Wert haben oder nicht.

Wichtigste Aufgabe der Privatpersonen ist das Engagement. Sie sollten mit dem Mähen warten, bis alle Pflanzen verblüht sind. Auch die Pflanzenvielfalt im Grünland muss wiederhergestellt werden. Wenig Wissen führt zum Erfolg, aber dafür ist Geduld nötig. "Ästhetisch nicht ansprechende" Pflanzen müssen toleriert werden. Magerer Boden und einheimisches Saatgut sind ebenfalls sehr wichtig. Und schließlich sollten keine giftigen Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Sie schaden nicht nur der Umwelt, sondern auch den Anwendern.

NABU